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Warum Selbstoptimierung oft kein Wachstum ist

  • Autorenbild: Siegrid Koglbauer
    Siegrid Koglbauer
  • vor 7 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

- und weshalb der Wunsch nach Veränderung oft aus innerem Druck entsteht

Teil 1 von 3 · Selbstoptimierung, Selbstfürsorge und Selbstakzeptanz

Siegrid Koglbauer

Selbstoptimierung klingt nach Entwicklung.
Nach Fortschritt. Nach „Ich kümmere mich um mich.“

Und trotzdem fühlen sich viele Menschen dabei innerlich erschöpfter als vorher.


Nicht, weil sie sich zu wenig bemühen.

Sondern weil Selbstoptimierung häufig aus einem stillen Grundgefühl entsteht:


  • Ich bin noch nicht richtig.

  • Nicht klar genug.

  • Nicht weit genug.

  • Nicht stabil genug.


Oft zeigt sich das ganz unscheinbar.


In dem Gefühl, abends noch etwas „tun zu müssen“.

In der inneren Unruhe, wenn ein Tag nicht produktiv genug war.

In der Frage, warum andere scheinbar besser mit allem zurechtkommen.


Sie stellt Fragen wie:

Wie werde ich besser?

Wie funktioniere ich endlich so, wie ich sollte?


Das Problem ist nicht der Wunsch nach Veränderung.
Das Problem ist der Druck, unter dem er entsteht.

Wo Selbstoptimierung sinnvoll sein kann

Selbstoptimierung ist nicht grundsätzlich falsch.

Sie kann sehr hilfreich sein - besonders dann, wenn es um klar begrenzte Bereiche geht.

Zum Beispiel:


  • neue Fähigkeiten lernen

  • Struktur in den Alltag bringen

  • sich Wissen aneignen

  • konkrete, zeitlich begrenzte Ziele verfolgen


In diesen Kontexten wirkt Selbstoptimierung unterstützend. Sie erweitert Handlungsspielräume.


Problematisch wird sie dort, wo sie sich nicht mehr auf Fähigkeiten, sondern auf das eigene Selbstbild richtet.


Wenn Entwicklung zur Selbstkorrektur wird

Kritisch wird Selbstoptimierung, wenn sich die innere Frage verschiebt.


Nicht mehr: Was möchte ich lernen?

Sondern: Was stimmt mit mir nicht?


Das zeigt sich zum Beispiel:

Wenn sich Pausen schlecht anfühlen.

Wenn Erschöpfung als persönliches Versagen gelesen wird.

Wenn jede emotionale Reaktion innerlich kommentiert wird.


Zu einem ständigen Nachjustieren der eigenen Person.

Viele merken das daran, dass Veränderung sich nicht mehr belebend, sondern anstrengend anfühlt - selbst dann, wenn sie objektiv „alles richtig machen“.


Das Gefühl von Fortschritt bleibt aus.

Stattdessen entsteht das Empfinden, nie ganz anzukommen.


An diesem Punkt verlässt Veränderung die Ebene des Wollens und wird zu einer Frage innerer Sicherheit.


Warum dieser Druck keine nachhaltige Veränderung ermöglicht

Selbstoptimierung, die aus innerem Druck entsteht, arbeitet häufig gegen das eigene System.


  • Gegen Müdigkeit.

  • Gegen Überforderung.

  • Gegen emotionale Reaktionen.

  • Gegen alte Schutzmechanismen, die nicht falsch sind, sondern einmal notwendig waren.


Und genau hier verlieren viele den Kontakt zu sich - nicht aus Faulheit, sondern aus Überforderung.


Unser Nervensystem reagiert nicht auf Ziele. Es reagiert auf das, was sich sicher und vertraut anfühlt.


Wenn innere Anspannung der Ausgangspunkt ist, setzt sich nicht die beste Strategie durch, sondern die bekannteste.

Die Reaktion, die sich im Moment am sichersten anfühlt, weil sie so abgespeichert ist -

selbst dann, wenn sie langfristig nicht hilfreich ist.


Das zeigt sich oft ganz praktisch: Man nimmt sich vor, gelassener zu bleiben, und merkt erst hinterher, dass man wieder genauso reagiert hat wie immer.

Nicht aus mangelnder Einsicht.

Sondern weil das System unter Druck auf Vertrautes zurückgreift.


Einsicht kann verstehen.

Aber sie allein kann das Gefühl von Sicherheit nicht ersetzen, das für echte Veränderung notwendig ist.

Darum reicht Verstehen oft nicht aus, wenn der innere Zustand derselbe bleibt.


Wenn sich trotz Einsicht nichts verändert

Viele Menschen haben viel verstanden. Sie haben Muster erkannt. Zusammenhänge durchschaut. Ihr Verhalten reflektiert.

Und genau das macht es so irritierend, dass sich innerlich trotzdem nichts verändert.


Nicht, weil sie zu wenig wissen.

Sondern weil Veränderung nicht dort beginnt, wo Selbstoptimierung ansetzt.


Solange innere Anspannung der Ausgangspunkt bleibt, führt auch das nächste Ziel nicht zu mehr Freiheit - sondern zu mehr innerem Druck.


Eine offene Frage am Ende


Was wäre, wenn das Gefühl, „an dir arbeiten zu müssen“, nicht der Beginn von Veränderung ist –sondern bereits ein Hinweis darauf, wo sie blockiert?


Im nächsten Artikel geht es genau um diesen Punkt: warum Selbstfürsorge nichts mit Rückzug oder Nachsicht zu tun hat –sondern die Grundlage dafür ist, dass Veränderung überhaupt möglich wird.


Herzlichen Gruß Siegrid


Ich begleite Menschen dabei, Veränderung möglich zu machen. Nicht über Druck oder Selbstoptimierung, sondern so, dass innere Sicherheit entsteht und neue Schritte sich im Alltag wirklich tragen.


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